Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde!

„Überall lasst uns Spuren unserer Freude hinterlassen.“ (Weisheit 2,9) – Diesen Vers kann man im Buch der „Weisheit“ nachlesen – einem apokryphen Buch zum Alten Testament, wahrscheinlich von einem griechisch sprechenden hellenistisch geprägten Juden verfasst. Martin Luther sagte, das „sind Bücher, die der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und gut zu lesen sind.“

Mich fasziniert das: Da hinterlassen Menschen Spuren ihrer Freude!

Spuren bezeugen ja einerseits etwas, was schon gewesen, aber noch sichtbar ist. Andererseits laden Spuren dazu ein, in eine bestimmte Richtung zu gehen.

Spuren müssen manchmal auch erst gedeutet werden: Einige Spuren sind einfacher und andere schwerer zu lesen. Fußabdrücke im Schnee sind zum Beispiel ein Hinweis darauf, dass schon ein oder mehrere Spaziergänger vor uns hier unterwegs waren.

Schwerer wird es allerdings, wenn wir anhand der Fußabdrücke herausfinden möchten, wie schwer der Spaziergänger wohl war. Noch schwerer zu deuten sind die Spuren, die uns Tiere hinterlassen.

So ist das mit den Spuren: Sie weisen auf Abwesendes hin, sie werfen Fragen auf, laden dazu ein, Schlüsse zu ziehen und lassen sich auch meistens gut verfolgen.

Im Hinblick auf den dreieinigen Gott erkennen viele Menschen immer wieder Spuren von Gottes Anwesenheit – zum Beispiel in der Natur, in Musik und Kunst, oder in Gesten der Mitmenschlichkeit, der Liebe und der Versöhnung.

Gottes Sohn, Jesus Christus, hat und kann sehr deutliche Spuren im Leben der Glaubenden hinterlassen. So erinnern wir uns zum Beispiel beim Abendmahl an sein letztes Mahl im Kreis seiner Jünger und lassen Brot und Kelch zu Spuren seiner Anwesenheit werden. Wir lesen die Evangelien, wo vielfältige Erinnerungen der frühen Kirche an Jesus Christus festgehalten sind. Alle Berichte und Worte sind gut erkennbare Spuren seiner Anwesenheit.

Es gibt da aber eine Spur, die noch tiefer geht: Jesus hat mit seinem Leben und Sterben ein Zeichen gesetzt, wie ein Leben unter Gottes Königsherrschaft aussehen kann. So gehören zum Beispiel die Hingabe an Gott und an die Menschen, der Verzicht auf Rechthaberei, Ehre und Gewalt zu den Spuren, die Jesus Christus in der Geschichte der Welt und der Erinnerung der Gemeinde für uns hinterlassen hat. Physisch können wir diesem Jesus zwar nicht mehr folgen, aber wir können den von Jesus gelegten Spuren nachfolgen.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde, auf wessen Spuren und auf welchen Wegen werden wir in diesem Jahr wohl unterwegs sein?

Ich möchte gern den Spuren folgen, die sich im Namen von Jesus für ein faires und wahrhaftiges Miteinander einsetzen, die auch einfach mal im Stillen Gutes tun und ihre Umgebung ganz praktisch zu mehr Hoffnung und Frieden anstiften. Viele Menschen, die vor uns gegangen sind, waren gut beraten, den Spuren dessen zu folgen, der die Fährte zu seinem himmlischen Vater für uns gelegt hat. Sein Weg ist gut! Es lohnt sich, ihm hinterher zu gehen. Ja sogar mitten im Leid werden wir in seiner Nachfolge immer wieder mit Kraft aus der Höhe versorgt.

Gerade in dieser schrägen und dünnhäutigen Zeit, wo allerorts viel zu viel getratscht und gelästert wird, wo viel zu viel Unzufriedenheit, Unwahrhaftigkeit, Neid, Missgunst, Pessimismus und Freuden-Killer ihre dunklen Machenschaften treiben, da staune ich darüber, was auch den Propheten so sehr ermutigt hat, dass er es mit folgenden Worten heraus-sprudeln musste: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König!“ (Jesaja 52,7)

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch ein verheißungsvolles Spuren-Entdecken – und einen gesegneten Start ins Frühjahr!

Ihr Pfarrer Carsten Heß
Evangelische Kirchengemeinde Hochelheim-Hörnsheim