Liebe Gemeinde:
„Seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.” – so lesen wir es im 1. Thessalonicherbrief.

Kennen Sie chronisch undankbare Menschen?

Es gibt Zeiten, da sehe ich selber das Glas eher „halb leer“ als „halb voll“ – und das mag ich auch bei mir selber immer wieder zum Positiven hin ändern.

An einen Mann in den besten Jahren kann ich mich aber auch noch erinnern, obwohl das schon sehr lange her ist: Die goldene Hochzeit seiner kern-gesunden Verwandten stand kurz bevor. Als Kirchenvertreter sollte ich dort eine Festrede halten. So was mache ich gerne. Dankbarkeit spüren. Gründe zum Danken aufspüren. Gottes Begleitung auf den menschlichen Wegen entdecken. Und so machte ich mich ein paar Wochen vorher schon auf die Suche nach Gründen zur Dankbarkeit.

Vor der Tür dieses (zweifellos auch respektablen) Mannes in den besten Jahren stand ein nagelneuer 12-Zylinder und auch noch ein cooler Zweitwagen. Das eigene Haus mit optimalem Grundstück bezeugte einen – offensichtlich auch hart erarbeiteten – Wohlstand. Als ich das Haus dann betrat, musste ich mich doch sehr wundern:

Es wurde in einer Tour gemotzt…

  • dass diese Goldhochzeit zu so einer „ungünstigen“ Zeit stattfinde,
  • dass der Restaurant-Besitzer ein Halsabschneider sei, dazu noch fantasielos, schiefe Zähne habe – sowie einen „missratenen“ Sohn, der die Briefmarke falsch rum auf den Umschlag klebt und so weiter und so weiter.

Alles war angeblich ganz schlecht: Die Luft, der Wald, das Wasser, die Atomkraft, das Auto, die Arbeit, die Wurst, der Welthunger, die Drogen, die Kriege, das Fernsehen, die Rechtschreibung, die Arbeitsmoral – und natürlich: die Politiker.

Ich hab ihn reden lassen – bis ihm nichts mehr einfiel.

Dann hab ich geschwiegen. Tatsächlich habe ich das getan. Sollte ich vielleicht mal viel öfter tun…

Der Mann war irritiert. Ich schwieg weiter – bis er mich fragte, was denn los sei.

Okay, dann hab ich das mal „gespiegelt“ – und dann gefragt, warum er denn überhaupt etwas mit dieser Goldhochzeits-Feier zu tun haben will, wenn doch alles so schlecht sei.

Das wusste er auch nicht.

Ich hab‘ ihm dann von einer Frau erzählt.

Von einer Frau, die ich sehr gerne besucht habe. Mindestens einmal im Monat. Sie war schon über 80 und seit zwei Jahrzehnten blind. Dazu saß sie im Rollstuhl – und ihre Kinder waren auch schon tot.

Aber sie hat gesungen. Und spielt auf ihrer alten Mandoline gespielt. Lieder vom Leben. Sie hat Gott gelobt. Gutes von Gott und seinen Taten erzählt. Immer wieder. Sie auch immer wieder dafür gedankt, dass sie reichlich versorgt wird und sicher leben darf.

Sie hat sogar für die singenden Vögel gedankt. Und für Gottes Güte.

Und sie hat ermutigende Texte gesammelt.

Einen davon möchte ich an Sie weitergeben.

Genauer gesagt, ist es ein Gebet – ein Dank-Gebet. Das hatte sie aus einem Gottesdienst in den frühen 1990er Jahren mitgebracht.

Ganz früh am Morgen durch den Park zu geh‘n
und einmal träumen, wie das wär‘:
Könnt‘ ich die Lieder der Natur versteh‘n.
Das tu ich gern, das reizt mich sehr.

Kristall‘ne Glocken sind der Tau im Gras
und Töne tropfen dort vom Dach.
Den Wasserfällen macht das Klatschen Spaß
und leise murmelt hier der Bach.

Ich möchte hören, wie das klingt.
Wie dir die Schöpfung Lieder singt.
Dich loben Wasser, Erde, Feuer, Luft.
Das möcht‘ ich hören.

Wie schön der Chor der tausend Blätter singt!
Und was ein Baum mir wohl erzählt!
Wenn ihn der Sommerwind zum Rauschen bringt,
dankt er dem Boden, der ihn trägt.

Wenn fern am Horizont der Donner rollt,
eine Flamme prasselnd brennt.
Im wilden Tanzen pfeifend Atem holt
und knistert, springt und rennt.

Dann wüsst‘ ich gerne, was das heißt.
Wie dich die Schöpfung lobt und preist.
Dich loben Wasser, Erde, Feuer, Luft.
Das möcht ich hören. Das möcht‘ ich hören.

Liebe Gemeinde, ich habe schon mehrmals mit Tränen in den Augen bei dieser Frau gesessen und ihr zugehört – und auch mit ihr zusammen gesungen.

Einmal wär‘ ich fast geplatzt, wenn ich sie nicht gefragt hätte:

Sagen Sie, woher nehmen Sie nur ihre Dankbarkeit? Spricht nicht ihr Leben eine ganz andere Sprache?

Ja – sagte sie! Mein Leben spricht die Sprache der Finsternis. Das ist richtig! Aber Jesus Christus spricht die Sprache des Lichts. Wenn ich ihm nachfolge, dann wird’s hell. Das erlebe ich jeden Tag.

Und dann sagte sie den 150. Psalm auf.

Und erklärte mir: Da steht: Lobet Gott für seine Taten!

Also: Das Lob Gottes und der Dank entzündet sich an seinen Taten. Immer wenn ich auf mich selbst sehe, dann vergeht mir das Loben und Danken, aber wenn ich auf ihn sehe, dann wird in mir das Loben und Danken entzündet. Also: Je mehr ich auf ihn sehe, umso fröhlicher werde ich. Aber je mehr ich auf mich selbst und das Leiden in der Welt sehe, umso größer wird meine Trübsal – und das lasse ich nicht zu – so hat sie es voller Überzeugung gesagt.

Und dann nannte sie mindestens 20 Bibelstellen, wo vom Loben und Danken die Rede ist:

* Du weckst lauten Jubel, über dich, Gott, freut man sich – wie ein Arbeiter, der die Ernte einfährt.

* Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht finden.

* Meine Seele freut sich über den Herrn, weil er so gerne hilft.

* Du deckst vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn – immerdar.

Und dann sagte sie:

Lieber junger Mann, Sie werden in Ihrem Beruf einen Haufen unzufriedener Leute treffen. Aber lassen Sie sich davon bloß nicht runterreißen. Und werden Sie erst recht nicht selber so. Sondern lassen Sie sich von Gott hochziehen. Wenn Sie die Arme weit genug ausstrecken, dann spüren Sie, wie er sie nach oben zieht.

Wenn Sie aber den Kopf in den Sand stecken, dann werden Sie immun gegenüber der Güte Gottes. Wenn Sie sich jedoch zu ihm ausstrecken, dann wird er Sie beschenken – glauben Sie es mir! – Und vergessen Sie nicht: Schreiben Sie seine Geschenke in ein Buch. Führen Sie Buch über Gottes Taten.

Und schreiben Sie vorne drauf: Wofür ich Gott danke!

Liebe Gemeinde: Ich habe es ihr geglaubt.

Und ich möchte das so an Sie und Euch (und auch an mich selber) weitergeben:

Die Dankbarkeit ist eine ganz unglaubliche Kraft!

Und wir können sie immer wieder ganz neu lernen.

Je stärker wir uns auf die Grundstimmung DANKBARKEIT einlassen, umso mehr strahlt sie aus.

In der Gemeinde – da ist das Danken noch relativ leicht. Vielleicht gerade in solchen Momenten wie diesen – wo sich Licht am Horizont ankündigt – nach dem langen Corona-Dunkel.

Aber wie sieht’s denn ganz konkret zu Hause aus? Denken wir vielleicht auch zu Hause an die Taten Gottes?

>> Denn das Loben und Danken entzündet sich nicht, wenn ich auf mich sehe, sondern das Loben und Danken entzündet sich, wenn ich lerne, auf Gottes Taten und auf Gottes Herrlichkeit zu sehen. Das Lob Gottes vergeht immer, wenn ich mich von Gott abwende. Irdische Erfolgserlebnisse können mich vielleicht vorübergehend froh stimmen. Aber diese Ereignisse vergehen, und dann ist das Loben und Danken wieder zu Ende.      — Das ungebremste Loben/ das Danken, das nicht nur auf Zeit ist/ das Danken, das durchträgt auch in den Tiefpunkten/ dieses Loben und Danken entzündet sich ganz allein an seinen Taten und an seiner Herrlichkeit.

Israel hat das bis in sein Bekenntnis hin deutlich gemacht: Dass es immer wieder eine Sache in den Blick genommen hat: Gott hat uns freigemacht. Gott hat uns durch die Wüste geführt. Gott hat uns einen attraktiven Lebensraum geschenkt. Immer wieder erinnert Israel daran (in kurzen Bekenntnissen oder in ausführlichen Erzählberichten über die großen Erfahrungen der Nähe des lebendigen Gottes).

Und auch das Neue Testament wird nicht müde, ständig daran zu erinnern: Christus, gestorben für uns. Er – das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt. Auferweckt um unserer Gerechtigkeit willen. Er hat den Moder-Geruch des Todes besiegt – damit wir leben und die Fülle haben…

…auch zugunsten einer befreiteren und entspannteren Lebenseinstellung. Denn die nörgelnde Nacht-Eule kommt garantiert auf deutlich weniger Sympathie-Punkte als der frühe Vogel (der den Wurm fängt).

Zurück zur Goldhochzeit: Einige Angehörige des Jubelpaares hatten sich auf Bildersuche begeben. Teilweise waren das noch Dias. Und aus solchen Rückblick-Bildern auf schöne Zeiten haben sie für das Jubelpaar eine fröhliche Powerpoint-Präsentation produziert. Fünf Minuten schöne Bilder als dankbare Rückblicke auf die Leinwand projiziert – und die Goldhochzeits-Gesellschaft war angesteckt. Mit Dankbarkeit und guter Laune.

Aber ich glaube, jener motivationsbegrenzte „Motze-Mensch“ hat sich etwas dafür geschämt, dass er so wenig Gutes sehen wollte oder konnte.

Egal. Hauptsache angesteckt von Dankbarkeit und Zuversicht.

Carsten Heß

Wir beten:
Danke, Vater, für das Leben, das du gibst,
dass du deinen Sohn gabst und mich unbegreiflich liebst.
Hast mich gerettet und mich neu gemacht.
Danke, Gott, für Jesus in mir.

Ich bin froh mit Jesus in meinem Haus.
Gut zu wissen: Jederzeit ist er hier.
Mein Leben lang, Jesus in mir, in meinem Haus,
für allezeit und in Ewigkeit.

Danke, dass du meinem Leben Zukunft gibst.
Ich darf neu beginnen, weil du meine Schuld vergibst.
Ich gehe vorwärts, denn ich weiß bestimmt:
Jesus ist bei mir jeden Tag.

(n. dem engl. Original „Jesus in my house“ von Judy Bailey)

PS: Wenn Sie möchten, dann kommen Sie mal am Gemeindezentrum vorbei. Genauer gesagt: Hinten an der Wiesenseite. Annette und Michael Hesmert haben was Wundervolles zu Pfingsten „gezaubert“, was wir noch möglichst lange dort hängenlassen möchten. Weil es ansteckend ermutigend ist und Rückenwind gibt. Danke dafür 😊